Erster Weltkrieg: Kriegszustand ohne Bayern?

Der Kaiser erklärte 1914 den Kriegszustand für das gesamte Deutsche Reich, ausgenommen Bayern.
Der Kaiser erklärte 1914 den Kriegszustand für das gesamte Deutsche Reich, ausgenommen Bayern.
Als der deutsche Kaiser Wilhelm II. am 31.07.1914 den Kriegszustand ausrief und damit den Weg Deutschlands in den Ersten Weltkrieg ebnete, sollte dieser laut offizieller Proklamation für das „Reichsgebiet ausschließlich der Königlich Bayerischen Gebietsteile“ gelten.

Diese Einschränkung irritiert etwas. Denn das Königreich Bayern war bereits seit 1871 Teil Deutschlands und hat sich dann natürlich auch am Ersten Weltkrieg beteiligt. Warum nahm der Kaiser in seiner Erklärung dann das Land Bayern aus?

Die hier auffallende Ausnahme hat jedoch – auch schon aus der Sicht des Jahres 1914 heraus – historische Gründe.

Als Hessen, Württemberg, Baden und Bayern, wie gerade erwähnt, im Jahr 1871 dem Norddeutschen Bund beitraten und sich dieser zum Deutschen Kaiserreich wandelte, war der Schritt in den Ländern sehr umstritten. Gerade Bayern wollte seine Unabhängigkeit nicht zugunsten eines deutschen Staates unter preußischer Führung aufgeben.

Daher wurden in die deutsche Reichsverfassung verschiedene Sonderrechte aufgenommen. So bekam Bayern bspw. den Vorsitz im auswärtigen Ausschuss des Bundesrates (Art. 8 Abs. 3), durfte eigene Alkoholsteuern festlegen (Art. 35 Abs. 2) und behielt die Zuständigkeit für die Eisenbahnen (Art. 4 Nr. 8).

Von besonderer Bedeutung war die „Schlußbestimmung zum XI. Abschnitt“ der Verfassung. Diese legte fest, dass die Regelungen dieses Abschnitts, der die Kriegsführung behandelte, in Bayern nur „nach näherer Bestimmung des Bündnißvertrages vom 23. November 1870“ anwendbar sind.

Dazu gehörte auch Art. 68 Satz 1 der Reichsverfassung, der besagte:

Der Kaiser kann, wenn die öffentliche Sicherheit in dem Bundesgebiete bedroht ist, einen jeden Theil desselben in Kriegszustand erklären.

Nun besagt aber Abschnitt III § 5 des Bündnisvertrags:

Die Artikel 61 bis 68 finden auf Bayern keine Anwendung. An deren Stelle treten folgende Bestimmungen:

(…)

Die Anordnung der Kriegsbereitschaft (Mobilisirung) des Bayerischen Kontingents oder eines Theils desselben erfolgt auf Veranlassung des Bundesfeldherrn durch Seine Majestät den König von Bayern.

Damit konnte der Kaiser also nicht selbst die bayerischen Truppen in Kriegsbereitschaft versetzen, sondern das Reich konnte die Mobilisierung nur veranlassen, formal vollzog aber der bayerische König diesen Schritt. Der im Bündnisvertrag noch verklausuliert genannte „Bundesfeldherr“ war übrigens niemand anderes als der Kaiser selbst.

Und so verkündete auch König Ludwig III. von Bayern nur wenige Tage nach dem Kaiser, am 04.08.1914, den Kriegszustand und führte sein Land damit in den Weltkrieg.

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