Was bedeuteten Zuchthausstrafen?

Im ursprünglichen Strafgesetzbuch des Deutschen Reichs gab es nicht einfach nur Freiheitsstrafen wie heute, sondern verschiedene Arten:

  • Für Übertretungen (heute Ordnungswidrigkeiten) war Haft bis sechs Wochen vorgesehen. Die Haft sollte nur eine „einfache Freiheitsentziehung“ sein.
  • Vergehen konnten mit Gefängnis bis maximal fünf Jahren bestraft werden. Gefängnisinsassen konnten zu „angemessenen“ Arbeiten herangezogen werden.
  • Für Verbrechen war Zuchthaus von einem bis zu fünfzehn Jahren oder lebenslang vorgesehen. Die „Zuchthäusler“ waren zur Arbeit verpflichtet.
  • In einigen Fällen war auch noch die ehrenhafte Festungshaft möglich.

In der Vollstreckungsart unterschieden sich diesen Strafen erheblich. Dies betraf zum einen die Art der zu verrichtenden Arbeiten, aber auch die Unterbringung und die Versorgung.

Zudem wurde so erreicht, dass kleine Straftäter nicht Seite an Seite mit Schwerstkriminellen eingesperrt wurden.

Mit der großen StGB-Reform im Jahr 1969 wurde diese Unterscheidung aufgehoben. Es gibt nur noch eine einheitliche Freiheitsstrafe, allerdings sind die Vollstreckungsmodalitäten je nach Dauer und Schwere der Straftat teilweise durchaus unterschiedlich.

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